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Auf die Strasse, Tage des Zorns

Aus:
Woher der Wind weht, Seite 39-57

Von Ron Jacobs

mit Arroganz« nähere; er und der Rest des RYM II begannen, eigene Aktionen für den Herbst in Chicago zu organisieren.[4]
Auch wenn Harold Jacobs, der Chronist von Weatherman, es so darstellt, als hätte Weather noch nicht die Hoffnung aufgegeben, den revolutionären Geist des weißen Amerika zu wecken, die allgemeine Wahrnehmung in der Neuen Linken von 1969 war entgegengesetzt. Weathermans Isolation von der Bewegung hatte begonnen.

Wenn es eine Verschwörung geben sollte, die dem Krieg ein Ende setzen will, wenn es eine Verschwörung geben sollte, die dem Rassismus ein Ende setzen will, wenn es eine Verschwörung geben sollte, die der Hetzjagd auf die Kulturrevolution ein Ende setzten will, dann müssen wir uns dieser Verschwörung anschließen. 
                    Anzeige in The Seed zur Verteidigung der »Verschwörung«

Die sogenannte Verschwörung bestand aus acht Angeklagten, den »Chicago 8«, die aufgrund eines neuen Gesetzes wegen »Überschreitung von Landesgrenzen mit dem Ziel der Anstiftung zum Aufruhr« während der Demonstrationen in Chicago anläßlich des Parteitags der Demokraten im August 1968 angeklagt worden waren. Die Anklage schloß auch Abbie Hoffman und Jerry Rubin, die Revolutionäre der Gegenkultur, ein. Möglicherweise hegte die Justiz die Hoffnung, durch die Anklage der beiden Yippies andere Jugendliche soweit einzuschüchtern, daß sie revolutionäre Politik und alternative Lebensweisen sein ließen. Das Gegenteil war jedoch der Fall. Tom Hayden, einer der »Chicago 8«, brachte die Gefühle eines Großteils der Jugend zum Ausdruck, als er sagte: »Unsere Identität ist angeklagt.«[6]
Die Verschwörung von Chicago wurde zur Cause célèbre und veranlaßte Tausende von Jugendlichen, sich politisch zu radikalisieren. In der Hoffnung, über diese Entwicklungen neue Anhänger organisieren zu können, wandte sich Weatherman fortan stärker den Kämpfen der Gegenkultur zu und ergriff, wie etwa in den Auseinandersetzungen um People’s Park in Berkeley, Partei. In Seattle randalierten Jugendliche zwei Tage lang im Universitätsviertel nach einem Angriff der Polizei auf ein kostenloses Rockkonzert, das am 10. August an einem lokalen Strand stattgefunden hatte. Es gab massenhaft Plünderungen und Überfälle auf kleine Geschäfte wie Schallplatten- und Klamottenläden (sogenannte »hippe« Kapitalisten) und ebenso auf Niederlassungen großer Unternehmen. Das lokale Kollektiv von Weather rief ebenso wie in anderen Städten, in denen Jugendliche sich mit der Polizei Straßenschlachten lieferten, zu Aktionen gegen Banken, Rekrutierungsbüros und andere Ziele auf, die offensichtlich mit dem Vietnamkrieg in Verbindung standen. Der Aufstand dehnte sich aus und schwarze und Latino-Jugendliche griffen in die Kämpfe in Seattle ein. Als einige weiße Jugendliche daraufhin rassistische Einstellungen zeigten, kam es zum Bruch zwischen ihnen und Weather. 
Zieht man in Betracht, welchen zentralen Stellenwert die Auseinandersetzung mit dem Rassismus in der Programmatik von Weather einnahm, wie oft die Forderung formuliert worden war, Rassismus in jeder Form zu bekämpfen, so kann nicht verwundern, daß das Auftreten jugendlicher Weißer aus der Arbeiterklasse, die sich rassistisch verhielten, bei zahlreichen Militanten von Weather dazu führte, die Organisierung weißer Jugendlicher grundsätzlich in Frage zu stellen. 
Ein Wendepunkt für die Gegenkultur war das Woodstock-Festival im August 1969. Trotz der Mitwirkung einiger radikaler Aktivistinnen und Aktivisten bei der Vorbereitung der Veranstaltung organisierten das Konzert am Wochenende in erster Linie große Schallplattenkonzerne (insbesondere Warner Brothers), die vor allem darauf aus waren, ihren Markt zu erweitern. Als jedoch der Ordnerdienst des Festivals zusammenbrach, war das wie ein Moment der Befreiung. Ein Reporter von The Seed, einer Undergroundzeitschrift aus Chicago, berichtete: »Woodstock war ... wie eine gigantische Pilgerfahrt ins elektrifizierte heilige Land, wo ein energiegeladener

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Woher der Wind weht
Ron Jacobs
Eine Geschichte des Weather Underground
192 Seiten
1. Auflage 1999
ISBN: 3-89408-084-1
Preis: € 14.90   sFr 10 
(zzgl. Porto+Versand)
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